Digitaler Club-Abend mit Prof. Dr. Ulrike Guérot als Gast am 23.März 2021

Digitaler Club-Abend mit Prof. Dr. Ulrike Guérot  als Gast am 23.März 2021

 

„5G Femmes - in Europe & Beyond"
Moderation: Zontian Yukiko Elisabeth Kobayashi

Prof. Dr. Ulrike Guérot ist Leiterin des Departments für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und Gründerin des European Democracy Labs in Berlin. Zuvor arbeitete sie in europäischen Think Tanks und Universitäten in Paris, Brüssel, London, Washington und Berlin.

Ulrike Guerot
Professor Ulrike Guerot

Ihre Bücher:

· „Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie" (2016 Dietz)
· „Der Europäische Bürgerkrieg – Das offene Europa und seine Feinde" (2017 Ullstein)

wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2019 erschienen ihre beiden Essays „Wie hältst du's mit Europa?" und „Was ist die Nation?" bei Steidl/IFA. Im Herbst 2019 wurde sie mit dem Paul-Watzlawick-Ehrenring sowie dem Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung ausgezeichnet.

Im Gespräch mit Yukiko Kobayashi erzählt Ulrike Guérot von ihrem beeindruckenden beruflichen Weg diesseits und jenseits des Atlantiks, von Hannah Arendt ('der Sinn der Politik ist die Freiheit'), von Frauen in der Politik, von der politischen Utopie einer Europäischen Republik sowie von dem von ihr gegründeten European Democracy Lab e.V.
Ulrike Guérot hat in Paris an der Sorbonne und an der Science Po studiert. In den 90er Jahren war sie in Frankreich politiknah tätig und arbeitete in einem von Jacques Delors gegründeten Think Tank zum Thema Europa. Dort lernte sie Frauen wie Simone Veil, erste Präsidentin des Europaparlaments, oder Catherine Trautmann, Bürgermeisterin von Straßburg, kennen, die sie zu ihrem weiteren Weg ermutigt haben. Auch Hannah Ahrendt, die sie sehr früh gelesen hat, war für sie eine prägende Frauenfigur.

Ulrike Guérot versteht sich als „Feministin" der alten Schule, nach dem Modell einer Alice Schwarzer. Sie tut sich schwer mit dem heutigen Verständnis von Feminismus, vor allem in Debatten, die auf Schutz und nicht auf Wehrhaftigkeit der Frau abstellen (z.B. in Debatten wie "Cat-Calling"). Das Thema „Frauenschutz" klingt für sie verdächtig und politisch rechtsbesetzt. Feminismus ist für sie Emanzipation und der Kampf um Rechte (z.B. Abtreibungsrecht). Auch Begriffe wie "Frauenförderung" findet sie verdächtig, denn Frauen müssten nicht gefördert, stattdessen gerecht bezahlt werden ("Gender Pay Gap"). An der Donau-Universität hat der Arbeitskreis Gleichstellung z.B. errechnet, dass Frauen in Westeuropa seit Ausbruch der Pandemie unbezahlte „Care-Arbeit" in Höhe von 4.000 EUR pro Frau pro Monat geleistet haben: Warum werden diese Leistungen nicht als "Sondergehalt" an alle Frauen ausgezahlt, jetzt, wo der Staat Leistungen in Milliardenhöhe für das Pandemie-Geschehen bereitstellt?
Schließlich berichtet sie über das European Democracy Lab. Mit dem Projekt „Citizen Assembly" (#CTOE, www.CitizensTakeOver.eu ) möchte sie, zusammen mit 58 europäischen NGOs, im Rahmen der Zukunftskonferenz von Kommissionspräsidentin Frau von der Leyen eine europäischen Verfassung erarbeiten. Aus ihrer Sicht besteht die europäische Aufgabe in Anlehnung an Jean Monnet nicht darin, Staaten stärker zu integrieren, sondern Europäische BürgerInnen zu vereinen. In diesem Kontext fordert sie den allgemeinen politischen Gleichheitsgrundsatz für alle BürgerInnen Europas als Grundlage für eine europäische Demokratie. Weg von den Vereinigten Staaten von Europa zu einer Europäischen Republik mit einer vollwertigen Europäischen Staatsbürgerschaft: das ist ihre politische Vision. Um dieses Ziel zu befördern, veröffentlicht das European Democracy Lab regelmäßig den Podcast "Humans of Europe". Ferner ist das Lab Nebenkläger beim Fall C-252/29 des EuGH, in der der EuGh gefragt wird, ob "European Citizenship" ein unveräußerlicher ("permanent status") Status ist. Die Anhörung wird im Frühjahr 2021 erwartet.
Mehr über Ulrike Guérots visionäre Vorschläge und viele spannende Projekte, die sie angeregt hat, findet man auf der Homepage des European Democracy Lab: https://europeandemocracylab.org/?lang=de, und im beigefügten Manuskript: „The Town of the European Republic".
Es folgte ein belebter und kontroverser Austausch mit den Club Mitgliederinnen, der sicher noch weit über die vereinbarte Zeit hätte andauern können.
Ein sehr inspirierender Club Abend!